HOYER Guitars — Geschichte einer legendären Marke
1949 HOYER GUITARS. Geschichte einer legendären Marke
„Die führende Gitarrenmarke Deutschlands“. Mit diesem Slogan trat Arnold Hoyer selbstbewusst im Jahr 1949 in einer Annonce in der Instrumentenbau-Zeitschrift auf. Zu Recht. Seine Meisterwerkstätte für Zupfinstrumente hatte sich durch Qualität und Innovation binnen kurzer Zeit genau diesen exzellenten Ruf der führenden Gitarrenmarke Deutschlands in der Nachkriegszeit erarbeitet. Arnold Hoyer konnte dabei auf eine lange Tradition seiner Familie im Musikinstrumentenbau zurückblicken. Durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen jäh unterbrochen, gelang ihm ab 1945 der Wiederaufbau der ursprünglich in der Musikstadt Schönbach im Egerland beheimateten Firma im mittelfränkischen Tennenlohe bei Bubenreuth. Viele Hoyer-Modelle der 1940er bis 1980er Jahren gelten noch heute als ikonische Instrumente.
1874 Established 1874 – eine Anmerkung vorab
Im Jahr 1949 wollte Arnold Hoyer auf die lange Tradition seiner Familie im Instrumentenbau aufmerksam machen und brachte erstmals das Gründungsjahr des Unternehmens 1874 ins Spiel, an dem seither festgehalten wird. So konnte er damals übrigens auch das 75-jährige Bestehen feierlich begehen. Arnold Hoyer bezog sich mit der gewählten Jahreszahl eindeutig auf seinen Großvater Franz Hoyer. Aus heutiger Sicht kann nicht mehr vollständig nachvollzogen werden, warum er nicht auch auf seinen Urgroßvater rekurrierte, der nachweislich bereits im Jahr 1838 einen Musikinstrumentenbau-Betrieb mit Schwerpunkt Streichinstrumente und Saitenspinnerei gegründet hatte, während die eigenständige Zupfinstrumentenbau-Werkstätte seines Vaters Josef Hoyer ab 1894 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Nachdem für Arnold Hoyer die Gitarre im Zentrum seines Schaffens stand, liegt die Vermutung nahe, dass das Jahr 1874 die Aufnahme von Gitarren ins Programm der Firma Hoyer durch Franz Hoyer markiert. Für Arnold Hoyer stellte dies bezogen auf seine in Bayern neu gegründete Firma das entscheidende Momentum dar. So avancierte das Jahr 1874 zum Schlüsseljahr für Hoyer Guitars. Diesen Schluss legt zudem eine Selbstdarstellung der Firma im Schönbacher Heimatbuch von 1969 nahe.
1631 Wurzeln im Musikwinkel
Im Bau von Musikinstrumenten ist der Familienname Hoyer ein sehr klangvoller Begriff. Allen Instrumentenmachern des Namens gemein sind die Wurzeln in der sächsisch-böhmischen Musikinstrumentenbau-Region, dem sogenannten „Musikwinkel“ rund um die Städte Markneukirchen und Klingenthal im Vogtland, Graslitz (heute Kraslice) und Schönbach im Egerland (heute Luby u Chebu).
Bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts entstand in der grenzübergreifenden Region ein bedeutendes Wirtschaftscluster im Musikinstrumentenbau. In Graslitz wurde 1631 der erste Geigenbauer der Region erwähnt. Die erste genuine Geigenbauer-Innung überhaupt wurde 1669 ebenfalls in der damals bedeutenden Bergstadt gegründet. Viele der Graslitzer Innungsmitglieder finden sich wenige Jahre später als Glaubensflüchtlinge in der 1677 gegründeten Markneukirchner Zunft wieder. 1716 entstand im benachbarten Klingenthal ebenfalls eine Geigenbauer-Innung. Gleichsam als Re-Import wurde der Geigenbau von Sachsen aus in den 1720er Jahren nach Schönbach verpflanzt, das sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zum bedeutendsten Zentrum für die Erzeugung von Saiteninstrumenten sowie von deren Bestandteilen und Zubehör entwickelte. In fast allen Orten wirkten auch Vertreter verschiedener Hoyer-Familien. Der Name Hoyer ist daher seit Jahrhunderten mit verschiedenen Bereichen des deutschen Instrumentenbaus aufs Engste verbunden.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts zeichnete sich der Aufstieg Schönbachs zur Hochburg der Saiteninstrumenten-Produktion im Musikwinkel ab. Viele gelernte Geigenbauer spezialisierten sich nach ihrer Lehre und konzentrierten sich auf die Erzeugung von Bestandteilen, Zwischenprodukten oder einzelnen Saiteninstrumenten, so dass sich die Berufsfelder bald stark differenzierten. Nichts besonderes waren fortan eigenständige Berufe wie der des Schachtelmachers, des Halsschnitzers oder Wirbeldrechslers, des Gitarrenmachers, Zithernmachers oder Mandolinenmachers. Auf dieser Basis konnte eine breite Palette an Saiteninstrumenten in relativ hohen Stückzahlen und zu einer erstaunlich guten Qualität auf den Markt gebracht werden. Dies erfolgte vorwiegend durch Markneukirchner Handelsunternehmen. Aber auch in Schönbach entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts einige Firmen des Musikinstrumentenhandels. Der Urgroßvater von Arnold Hoyer, der Geigenbauer Johann Josef Hoyer, gründete ein solches Unternehmen.
1838 J. F. Hoyer´s Söhne – gegründet 1838
Sein Betrieb firmierte um die Jahrhundertwende unter dem Namen „J. F. Hoyer’s Söhne“. Dieser ist der direkte Vorläuferbetrieb von „Hoyer Guitars“. Gründer der Firma war Arnold Hoyers Urgroßvater Johann Josef Hoyer (1815–1876) und dessen Bruder. Johann Josef Hoyer war gelernter Geigenbauer. Bald ergänzte er die Geigenproduktion um eine Saitenspinnerei und eröffnete schließlich ein breit aufgestelltes Handelsgeschäft für Musikinstrumente. Johann Josef war der erste seines direkten Familienzweiges, der sich dem Musikinstrumentenbau widmete. Seine Vorfahren waren Kürschner, Böttcher und Müller gewesen.
Nach den beiden Brüdern wurde die Firma von Franz Hoyer (1842–1878), Johann Josefs Sohn, weitergeführt. Franz Hoyer war Saitenspinner und Instrumentenhändler. In Triest wurden 1871 die Instrumente aus seinem Hause während der „Esposizione Agricolo-Industriale e di Belle Arti“ prämiiert. In den 1870er Jahren war Franz Hoyer in der Lage, in Schönbach ein imposantes Wohn- und Geschäftshaus in der Falkenauer Straße (Haus Nr. 316) zu errichten. Dieses blieb der Firmensitz bis zur Vertreibung aus Schönbach nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1878 verstarb Franz Hoyer mit nur 36 Jahren. Seine Frau Elisabeth Hoyer (1842–1920), eine geborene Mettal, führte die Firma weiter, ehe Tochter Rosalia Anna (geb. 1867) und Sohn Josef (geb. 1870) in das Unternehmen einstiegen und es später übernahmen. Rosalia Anna Hoyer heiratete 1890 den Graslitzer Kaufmann Josef Wohlrab. Die Firma wurde Mitte der 1890er Jahre geschwisterlich geteilt. Das Handelsunternehmen verlagerten Rosalia und Josef Wohlrab sukzessive nach Graslitz, wo es bis 1945 (zuletzt als „J. F. Hoyer`s Enkel“) fortbestand, während Josef Hoyer im elterlichen Anwesen in Schönbach verblieb und sich auf den Produktionsbetrieb für Zupfinstrumente konzentrierte.
1894 Zupfinstrumentenbau-Werkstätte von Josef Hoyer seit 1894
Josef Hoyer hatte dem Unternehmen eine ganz neue Perspektive eröffnet, als er 1894 eine eigene Zupfinstrumentenbau-Werkstätte errichtete. Sein Spezialgebiet lag auf Zithern und Gitarren. Gelernt hatte er beim Onkel. Sein Onkel mütterlicherseits war Johann Mettal (geb. 1846), der in den 1860er Jahren eine der bekanntesten Schönbacher Dynastien des Zupfinstrumentenbaus gründete. Johann Mettal nahm den jungen Halbwaisen unter seine Fittiche und ermöglichte ihm frühzeitig erste Einblicke ins Zupfinstrumentenmacher-Handwerk. Sicher stammten Franz Hoyers 1874 ins Sortiment aufgenommene Gitarren ursprünglich aus der Mettal-Werkstatt seines Schwagers. Später vervollkommnete Josef Hoyer seine Kenntnisse noch beim Zupfinstrumenten- und Zithermacher Josef Siebenhüner. Danach folgte eine weitere Ausbildungszeit beim Schönbacher Zupfinstrumentenmacher Carl Loos, ehe Josef Hoyer seine Prüfung absolvierte und für einige Jahre bei Franz und Rudolf Siebenhüner als Geselle arbeitete. Mit 24 Jahren machte er sich schließlich als Zupfinstrumentenmacher in Schönbach selbständig. Dieses Jahr hat Josef Hoyer stets als Gründungsjahr seiner Zupfinstrumentenbau-Werkstatt (nicht des Handelsgeschäfts oder der Saitenspinnerei) angegeben: Sei es auf seinen Preisblättern, sei es in Annoncen, sei es auf seinem Briefpapier oder sei es auf den Zetteln, die er in seine Instrumente klebte.
1900 Erstklassige Instrumente und eine Gitarrenbauer-Dynastie
Josef Hoyer ist der erste Zupfinstrumentenmacher in der Familie. Darüber hinaus ist er äußerst rege, geschäftstüchtig und innovativ. Bereits im Jahr 1896 war er mit eigenem Stand auf der Nordböhmischen Gewerbe-Ausstellung in Hohenelbe (heute Vrchlabí) vertreten. Während der Ausstellung wurde seine Werkstatt mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt er in Bodenbach (heute Podmokly) eine silberne Medaille.
Nur sehr wenige Schönbacher Erzeuger gingen den beschwerlichen Weg, Ausstellungen zu besuchen. Josef Hoyer suchte den direkten Kontakt zu seinen Kunden. Darüber hinaus ließ er bereits in den 1890er Jahren eigene Kataloge drucken. Im Jahr 1897 ließ er in einer Schönbacher Werbeschrift eine bemerkenswerte ganzseitige Annonce abdrucken, die viersprachig war: auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.
Im Jahre 1900 schlug Josef Hoyer ein neues Kapitel auf, als er am 20. November Marie Mayer ehelichte. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, die das Erwachsenenalter erreichten. Drei der Söhne wurden Zupfinstrumentenmacher: Arnold (geb. 1905), Rudolf (geb. 1906) und Roman (geb. 1912). Nachdem sich die Moden zu Ungunsten der Zither verschoben hatten, konzentrierte sich Josef Hoyer fortan auf den Mandolinen- und verstärkt auf den Gitarrenbau. Auf seinem Briefkopf verwendete er die Bezeichnung „Meisterwerkstätte“. Als „Hauptspezialitäten“ wies er aus: „Luftresonanz-Zithern, Meister-Guitarren sowie Mandolinen in Künstlerqualität“.
Auch bei der Wahl der Hölzer überließ Josef Hoyer nichts dem Zufall. Im Karpatenbogen und in den Alpen kaufte er vor dem Ersten Weltkrieg seine Tonhölzer selbst ein. Im Jahr 1913 meldete er eine besondere Entwicklung in Deutschland zum Patent an. Bei der Deutsch-böhmischen Landesschau in Komotau (heute Chomutov) 1913 wurde ihm abermals eine Goldmedaille verliehen.
1921 Weltkrieg, Wiederaufbau und Jubiläum 1921
Der Erste Weltkrieg bedeutete eine tiefe Zäsur. Der Musikstadt Schönbach brachte der Krieg eine drastische Kürzung in der Produktion von Musikinstrumenten. Viele Instrumentenmacher mussten ihr Werkzeug gegen Waffen eintauschen. Als nach über vier Jahren der Weltenbrand endete, war nichts mehr so, wie es vorher gewesen war. Die deutsch-böhmischen Gebiete und damit auch Schönbach wurden dem neu gegründeten tschechoslowakischen Staat einverleibt.
Für Schönbach ergaben sich durch die Zugehörigkeit zur neuen Republik durchaus Vorteile. Als Siegerstaat standen die Türen zu den westlichen Staaten weit offen. Unmittelbar nach dem Krieg ging Josef Hoyer daran, seinen Betrieb neu aufzustellen. Schon 1921 sind Instrumente von Josef Hoyer auf der Wiener Theater- und Konzert-Messe präsent.
Mit etwas Verspätung wurde in Schönbach 1921 die 600-Jahrfeier der Stadterhebung in großem Stil gefeiert. Vom 10. Juli bis zum 18. August 1921 zeigten insgesamt 217 Schönbacher Ausstellerfirmen ihr Können. Josef Hoyer, der sich im Katalog als „Zithern- und Guitarrenerzeuger“ bezeichnen ließ, beteiligte sich mit drei Zithern und vier „Herren-Guitarren“.
1927 Denkmal, Ausbau und die Werkstatt
Die erste Hälfte der 1920er Jahre gestaltete sich für die Schönbacher als eine Zeit des Aufwärtsstrebens. 1927 errichteten sie als Ausdruck des gewonnenen Selbstbewusstseins ein eigenes Geigenbauer-Denkmal im Zentrum ihrer Musikstadt.
Josef Hoyer gelang es in diesen Jahren, seinen guten Ruf neu zu beleben und seine Werkstatt weiter auszubauen. In der „Zeitschrift für die Gitarre“ in Wien schaltete er 1926 eine Annonce für seine „Meisterwerkstätte für Gitarren und Zithern“. Vermutlich stockte er das Stammhaus in der Falkenauer Straße 316 auf und nutzte auch das Nachbargebäude Nr. 385 für seine Produktion.
Sukzessive traten die Söhne Arnold (geb. 1905), Rudolf (geb. 1906) und Roman (geb. 1912) in die Firma ein. Arnold ging spätestens ab 1919 offiziell in die Lehre. Josef Hoyer genoss einen so guten Ruf, dass sich viele um eine Lehre bei ihm bewarben. Das erste Foto der Hoyer-Werkstatt ist Mitte der 1920er Jahre entstanden und zeigt insgesamt acht Personen.
1936 Krise, Archtops und Abenteuer Köln
Verheerend wirkte sich die Weltwirtschaftskrise von 1929 auf den Schönbacher Musikinstrumentenbau aus. Die Produktion ging 1932 gegenüber den 1920er Jahren um über 60 Prozent zurück. Auch Josef Hoyer und seine Söhne bekamen die schwierige Wirtschaftslage zu spüren.
Die Hoffnung lag auf neuen Modeerscheinungen. Bei vielen Herstellern in Schönbach wurden fortan Ukuleles gebaut, nicht zuletzt bei Josef Hoyer. Etwas später etablierte sich die US-amerikanisch geprägte Archtop-Bauweise. Die Firma Josef Hoyer entwickelte schon in der ersten Hälfte der 1930er Jahre mehrere Modelle. Oft wurden Schönbacher Erzeugnisse für Markneukirchner Handelshäuser produziert, etwa für C. G. Glier & Söhne unter dem Namen „Cyrano“.
Arnold entschloss sich, nach Köln im Rheinland zu ziehen. Rudolf blieb in Schönbach und führte ab ca. 1935 den Familienbetrieb als Geschäftsführer. Spätestens 1936 übersiedelte Arnold mit seiner Frau an den Rhein. Sohn Walter Josef Hoyer wurde 1938 geboren und im Kölner Dom getauft. Am Eigelstein 88 betrieb Arnold eine kleine Werkstatt mit Laden. Die Verbindung zwischen Schönbach und Köln war eng: Hölzer, Zuliefergut und Wissen flossen in beide Richtungen.
1942 Abermals Weltkrieg
Doch die guten Zeiten waren nicht von langer Dauer. Hitlers Krieg bereitete der Verbindung zu den Exportmärkten ein jähes Ende. In Schönbach wurden die meisten Musikinstrumentenbaubetriebe geschlossen. Schon Ende 1940 wurde der Betrieb der Firma Hoyer vorübergehend stillgelegt. Rudolf und Roman wurden zur Wehrmacht eingezogen.
Die Operation Millennium am 30./31. Mai 1942 traf die Kölner Innenstadt schwer. Die Erlebnisse veranlassten Arnold Hoyer, im Laufe des Jahres 1942 nach Schönbach zurückzukehren. Im Einwohnerbuch von 1943 findet er sich wieder in der Falkenauer Straße 316 als „Gitarrenmacher“ — doch in seinem Beruf durfte er damals nicht arbeiten. Nach einem früheren Unfall, bei dem er den rechten Daumen verlor, wurde er Mitarbeiter einer auf Munitionskisten umgestellten Etuifabrik.
Mit dem Einmarsch der US-Armee am 6. Mai 1945 ging in Schönbach der Krieg zu Ende. Zum Zeitvertreib vieler US-Soldaten gehörte Musik. Von großem Interesse waren Archtop-Gitarren — und so kamen Arnold Hoyer und die Amerikaner bald „ins Geschäft“.
1945 Mit US-Trucks nach Bayern
Mithilfe von G.I.s konnte Arnold Hoyer Schönbach bereits im Juni 1945 gen Westen verlassen. Sein gesamtes Werkstatt-Inventar samt Tonholzlager, fertigen Instrumenten und weiterem Mobiliar wurde auf zwei US-Army-Trucks verladen und nach Tennenlohe bei Erlangen in Bayern überführt — vor dem Hintergrund der Enteignung und der bevorstehenden Vertreibung.
Arnold Hoyer war bereits im Juli 1945 in Tennenlohe angekommen. Im Tanzsaal des Gasthauses „Rotes Ross“ konnte er seine Werkstatt einrichten. Das mitgebrachte Holz und die Werkzeuge erlaubten es ihm, bereits im August 1945 die Produktion anlaufen zu lassen. Das Bayerische Wirtschaftsministerium gab Ende Oktober 1945 offiziell den Startschuss für die Ansiedlung der Schönbacher Kleinmusikinstrumenten-Industrie im Landkreis Erlangen.
1949 Bubenreuth entsteht — Hoyer bleibt in Tennenlohe
Es galt, das gesamte „Schönbacher System“ von Arbeitsteilung und Spezialisierung zu übertragen. Bemühungen um eine geschlossene Ansiedlung in Tennenlohe scheiterten zunächst; München ordnete Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald an. Die bereits im Raum Erlangen ansässigen Betriebe — nicht zuletzt Arnold Hoyer — weigerten sich, erneut umzuziehen.
Nur der beharrlichen Aufbauarbeit und dem 1948 neu gewählten Erlanger Landrat Hönekopp ist es zu verdanken, dass die Gruppen im Landkreis Erlangen zusammengeführt wurden. Ab Oktober 1949 entstand in Bubenreuth die „Geigenbauer-Siedlung“.
Arnold Hoyer siedelte nach 1949 nicht nach Bubenreuth über, sondern blieb in Tennenlohe. Schon 1947 hatte er ein größeres Grundstück erworben und ein Jahr später ein Wohnhaus errichtet. Beachtlicherweise legte er kurz nach der Währungsreform einen Katalog vor, der als erster der Branche in der Nachkriegszeit gilt. Das Titelblatt verriet, worauf sich Arnold Hoyer verstand: nämlich Archtops.
1950 Archtop-König in Deutschland
Im Bau erstklassiger Archtop-Gitarren baute Arnold Hoyer sein Renommee auf. Er wurde zum Vorbild für viele andere Gitarrenbauer. Seine Werkstatt avancierte zur Topadresse für Berufs- wie anspruchsvolle Laienmusiker. Der Berichterstatter der zweiten Deutschen Musikinstrumenten-Messe in Mittenwald konnte 1950 festhalten: „Mit Schlaggitarren in phantasievoller Ausstattung wußte sich Arnold Hoyer, Tennenlohe b. Erlangen, zur Geltung zu bringen.“ Arnold Hoyer selbst warb daher berechtigterweise seit dieser Zeit mit dem Slogan: „Deutschlands führende Gitarrenmarke“.
Ikonische Instrumente wie die Archtopgitarren „Herr im Frack“, „Solist“, „Meisterklasse“, „Spezial“, „Bianka“ oder „Fantastik“ zeugen noch heute vom hohen Anspruch seiner Werkstätte. Die wiedergegründete Innung wählte Arnold Hoyer zum stellvertretenden Innungsobermeister.
1967 Walter Hoyer und der Neuanfang
Nach dem frühen Tod von Arnold Hoyer übernahm sein Sohn Walter Hoyer (1938–2026) im Jahr 1967 die Leitung der Firma. Er stellte die Produktion zeitgemäß auf qualitativ hochwertige Western- und Elektrogitarren um. 1966 hatte er erfolgreich die Meisterprüfung absolviert. Unter seiner Ägide entstanden etwa die Modelle der „HG“-Serie oder die ausgefallene „Foldaxe“ mit umklappbarem Hals.
Angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten musste 1976 trotz des hohen Renommees Konkurs angemeldet werden. In der Erlanger Thalermühle ging es danach für die Firma Hoyer-Gitarren noch einige Jahre weiter, bis 1987 die Produktion endgültig eingestellt werden musste.
Nach dem Aus in den 1980er Jahren lagen die Markenrechte zunächst bei einem deutschen Musikwarengroßhandel und gingen später an einen privaten Eigentümer in Deutschland über. Seit 2009 befindet sich die traditionsreiche Marke im Eigentum von Martin Ritter, Singapur, der an einer behutsamen und langfristigen Wiederbelebung arbeitet.
Die Instrumente von Hoyer fanden über Jahrzehnte hinweg ihren Weg zu professionellen Musikern, Sammlern und bekannten Bühnen- und Studioproduktionen. Bis heute genießen historische Hoyer-Instrumente unter Kennern, Sammlern und Musikern einen besonderen Ruf. Daran gilt es anzuknüpfen.
Zeittafel
- 1631 Der erste Geigenbauer der Region wird in Graslitz (Kraslice) erwähnt.
- 1669 Die erste Geigenbauerinnung wird in Graslitz gegründet.
- 1677 Die Markneukirchner Innung wird gegründet.
- 1723 Der erste Geigenbauer in Schönbach (Luby u Chebu) wird erwähnt.
- 1838 Der Geigenbauer Johann Josef Hoyer (1815–1876) gründet in Schönbach seinen Betrieb für Musikinstrumente und Saiten.
- 1867 Franz Hoyer (1842–1878) übernimmt den väterlichen Betrieb.
- 1874 Franz Hoyer ergänzt das Sortiment um Gitarren.
- 1878 Die Witwe Elisabeth Hoyer (1842–1920) leitet den Betrieb.
- 1890 Die Geschwister Rosalia (geb. 1867) und Josef Hoyer (1870–1956) führen den Betrieb weiter.
- 1894 Josef Hoyer gründet eine Werkstatt für Zupfinstrumentenbau.
- 1896 Goldmedaille für Josef Hoyer in Hohenelbe (Vrchlabí)
- 1897 Silbermedaille für Josef Hoyer in Bodenbach (Podmokly)
- 1913 Goldmedaille für Josef Hoyer in Komotau (Chomutov)
- 1919 Arnold Hoyer (1905–1967) beginnt eine Lehre beim Vater Josef Hoyer
- 1936 Arnold Hoyer eröffnet Werkstatt und Laden in Köln, Bruder Rudolf Hoyer leitet den Betrieb in Schönbach.
- 1942 Rückkehr von Arnold Hoyer mit Familie nach Schönbach
- 1945 Aussiedlung von Arnold Hoyer mit Familie aus der Tschechoslowakei
- 1945 Standortverlagerung nach Bayern und Produktionsbeginn in Tennenlohe unter Arnold Hoyers Leitung
- 1948 Erster Katalog der Nachkriegszeit: Die Modelle „Solist“ (Nr. 20), „Herr im Frack“ (Nr. 16), „Meisterklasse“ (Nr. 15) wie auch eine elektrische Hawaii-Gitarre (Nr. 22) sind u. a. im Programm.
- 1949 Gründung der Geigenbauer-Siedlung in Bubenreuth
- 1953 Die Hoyer-Spezial (Nr. 24) kommt ins Programm, ebenso wie eine „vollelektrische Gitarre“ mit Tonabnehmer und eingebautem Verstärker (Nr. 25)
- 1957 Anmeldung des „Arnold-Patentstegs“
- 1958 Vorstellung der „Bianka“ (Nr. 44)
- 1960 Vorstellung der Röhren-Gitarre „Fantastik“ (Nr. 55)
- 1961 Erste Solidbody-Gitarren
- 1967 Walter Hoyer (1938–2026) übernimmt die Leitung des Betriebs.
- 1977 Vorstellung der Foldaxe
- 1977 Start der HG-Serie
- 1979 Eagle-Gitarre und -Bass
- 1985 Zahlreiche Neuheiten u.a. Dreamer und Stax
- 1987 Einstellung der Produktion
- 2009 Martin Ritter, Singapur, erwirbt die Markenrechte
- 2026 Re-Launch von Hoyer-Gitarren
